Was ist Prävention?

Für uns bedeutet eine gesundheitsfördernde, salutogene Orientierung, eine Ausrichtung auf motivierende, anziehende Lebens-Qualitäts-Ziele und -Bedürfnisse (Attraktoren) und das Erschließen von persönlichen Ressourcen. Der Ressourcen-Begriff wird meist intuitiv verwendet und umfasst z.B. Motivation, Ziele, Wünsche, Interessen, Fähigkeiten, Aussehen, Beziehungs- und Kontaktfähigkeit, Potentiale etc. Also alles, was uns zur Eigenentwicklung und für Veränderungen zur Verfügung steht.

Es gilt den Fokus auf die gesunden Anteile des Lebens zu richten. So fördern wir unser Verständnis für unsere Lebenssituation, den erlebten Herausforderungen und Schwierigkeiten. Wir stärken unsere Fähigkeit mit diesen Situationen ziel- und gesundheitsförderlich umzugehen, sie zu bewältigen und auch einen Sinn darin zu erkennen, z.B. dass wir in unserem Leben etwas ändern müssen.

Als Präventologe (Bundesverband deutscher Präventologen e.V.) fühle ich mich in meiner Arbeit dem ganzheitlichen Gesundheits-Begriff, der Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung von 1986 verpflichtet:

Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für Andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die allen Bürgern Gesundheit ermöglichen.

Wenn wir uns an diesem erstrebenswerten Ideal orientieren, dann fassen wir unser Gesundheits-Denken und -Handeln weiter, in Richtung Wohlbefinden, persönliche Zufriedenheit, soziale Bindung, Vorhandensein von Lebensqualität, Handlungsfähigkeit, Rollenkompetenz und die Möglichkeit, unser vorhandenes Potenzial gleichzeitig zu erfüllen und zu erweitern.

Salutogenese: Was uns gesund erhält

Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe und Stressforscher Aaron Antonovsky (1923 – 1994) war der Begründer der Salutogenese (Salus = Gesundheit, Genese = Entstehung). Sein Blick ergänzt den pathogenen Fokus unserer klassischen Medizin („Wie entsteht Krankheit?“) um die präventiv nützliche Frage: Wie und wodurch entsteht Gesundheit?
Das Salutogenese-Modell sieht „Gesundheit“ und „Krankheit“ als zwei Pole, zwischen denen sich das Kontinuum unseres Lebens abspielt. Und unsere Position auf diesem Lebensfluss-Kontinuum verändert sich im Laufe des Lebens ständig. So gesehen sind wir weder vollständig gesund noch vollständig krank.
Je mehr gesundheitsfördernde Ressourcen einem Menschen zur Verfügung stehen, desto stärker bildet sich die Überzeugung heraus, dass das Leben sinnvoll, überschaubar und handhabbar ist. Antonovsky nennt diese innere Überzeugung Kohärenzgefühl (Sense of Coherence, SoC).

Die Salutogenese basiert auf drei Komponenten, die man auch als Fähigkeiten beschreiben kann.

  1. Verstehbarkeit: Die Fähigkeit zu verstehen, was sich momentan in meinem Leben alles tut. Erlebe ich die Herausforderungen meiner Umwelt als verständlich, überschaubar und vorhersagbar? Wie beschreibe, erkläre, verstehe ich meine derzeitige Situation (z.B. aktuelle Krankheit) und ihre Zusammenhänge?
  2. Handlungsfähigkeit: Habe ich eigentlich die Ressourcen, um mit dieser Herausforderung umzugehen? Erlebe ich, dass den Anforderungen und Stressoren passende Ressourcen zur Bewältigung gegenüberstehen? Welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich?
  3. Sinnhaftigkeit: Die Fähigkeit, die Bedeutsamkeit zu fühlen: Ergibt das für mich alles einen Sinn? Erlebe ich die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen als lohnenswert und sinnvoll? Gibt es tragfähige, sinnstiftende Zusammenhänge? Welchen Sinn machen meine Aufgaben / macht mein Leben in Bezug auf wen und was und in Bezug auf meine eigenen Lebensentwürfe?

 

Was ist ein Präventologe?

Ich fühle mich als Wegbereiter und Wegbegleiter für andere Menschen. Präventiv, bezogen auf die eigene Gesundheit zu handeln, wird nur derjenige der seinen Handlungsbedarf erkennt. Dies resultiert aus Erkenntnis und Wissen über Zusammenhänge und Ursachen. Dabei hat ein Präventologe zumeist einen anderen Blickwinkel als ein Arzt.

Liebe dich selbst und lass dir dabei helfen!

Wenn man einen anderen Menschen liebt, dann achtet und sorgt man sich um ihn. Man lässt im Zuneigung, Zärtlichkeit und Führsorge zukommen. Doch wir verlernen zunehmend, dies auch uns selbst zukommen zu lassen. Wir hören uns selber nicht mehr zu. Wir achten nicht auf die Signale unseres Körpers. Und manchmal mögen wir uns selber nicht.